chez del - hat star wars iii gesehen
Montag, 3. März 2003
3. März 2003 um 21:33:10 MEZh

Über Schmidt:

Warren Schmidt ist zu alt, zu desinteressiert, zu cool für Internetz. Also hat er kein Blog, sondern Ndugu, einen 6-Jährigen Namen aus Tansania, dem er Geld und Briefe schickt.

Ja, teilen ist schön.

Abgesehen davon ist er wie wir: Voller Selbstlügen, Selbstbetrügereien, Selbstekel. Das Schreiben der Briefe gibt seiner Existenz keinen entscheidenden Wandel. Er bleibt der Selbe leise, höfliche Ja-Sager, in dessen Inneren es aus Angst, Wut und Verzweiflung rumort. Auch beim Schreiben belügt er sich - und Ndugu - ununterbrochen selbst. Warum sollte er schreibend wahrnehmen, wovor er auch sonst davonläuft? Der einzige Unterschied ist, dass ein kleiner Afrikaner seine nunmehr schön formulierten Themen zu lesen bekommt. Die Frage, auf der die Spannung des Films beruht, ist: Bringt er den Mund auf? Schafft es Warren wenigstens ein Mal in seinem Leben, den Menschen ihre Lächerlichkeit ohne falsche Rücksicht ins Gesicht zu schmeißen? Kann er ein Mal wortwörtlich un-gut sein?

Au weh, das ist ja ein Plakat für eine libidosteigernde Arznei.

Der alte, fette, sterbende Sack: Nicholson scheint selbst die ganze Zeit darüber belustigt zu sein, wen er mittlerweile darstellt. Seine Besetzung rettet den Film. Würde ein anderer, weniger brodelnder alternder Schauspieler, zum Beispiel Jon Voight, zu seiner Tochter gurken, um sie von der Heirat eines Vollproleten abzubringen: Wer wollte das denn bitte sehen? Dank Shining Nicholson und seinem zur Schau gestellten abgeschlafften Körper aber gewinnt der Film Schärfe und, eben, Spannung. Abgesehen davon führt uns der Film auf lakonische, unspektakuläre, amüsante und deprimierende Weise vor, dass wir ungenügende, dämliche, im Sitzen brunzende, fickende, heiratende, unehrliche, betrügende, im Scheinwerferliche suhlende, egoistische, Scheiße arbeitende, für Scheiße arbeitende mickrige Kreaturen sind, die jederzeit beim Staub saugen an einem Blutgerinnsel sterben können, und den meisten wird es genauso Wurscht sein wie sie uns. Wir sind eben alle Schmidteinander. Das ist sehr intelligent, bestimmt, und zutiefst wahr, ja okay, aber hey: Wo ist die Pointe? Die Pointe ist, dass der Film selbst unehrlich und feig ist. Er zeigt uns irgendwelche Deppen, mit denen wir uns nicht identifizieren müssen, wie im Zoo, 1a-Vokuhila-Proleten und Wohnmobil-Ehepaare, derbe alte Weiber und stumme Inzestopfer, lauter wirklich schlimme Schmidts aus Omaha und Nebraska und was waiß ich für abseitigen Orten, in denen der Wahnsinn regioert. Uns junge urbane Zielgruppe tangiert das nicht, das brauchen wir nicht ernst nehmen. Schade. In der Romanvorlage für "About Schmidt" ist Warren Schmidt kein kleiner Vizepräsident, sondern erfolgreicher Anwalt aus New York, glaube ich. Und sein zukünftiger Schwiegersohn ist kein Nichtsnutz, sondern ein jüdischer Jungstaranwalt, und Warren will nicht, dass seine Tochter etwas wie ihn heiratet, noch dazu einen Juden. Hätte der Film diese politische Dimension, wäre er mir vermutlich nicht so egal gewesen.

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